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Freitag, 31. Mai 2019

Mittwoch
Heute haben wir eine etwas kürzere Strecke vor uns, daher können wir ein wenig ausschlafen und es ruhiger angehen lassen.

Kingman hat neben vielen alten Motels an der Einfahrtsstraße eine kleine Downtown-Area sowie eine in einem kleinen Park ausgestellte riesige Dampflok. 

Wir halten uns in Kingman aber nicht lange auf und verlassen den Ort auf der Old-66 durch einen kleinen Canyon und anschließend die weite Ebene des Sacramento Valleys. Die altehrwürdige  Straße ist heruntergestuft auf Regional-Niveau, es wird gewarnt, dass sie bei starken Regenfällen überflutet sein kann und man dann umkehren muss.

Dann beginnt die Bergwertung, der erste wirklich alpine Übergang: Der Oatman Highway bzw. Sitgreaves-Pass, vom Sacramento Valley zum Colorado River. Die Straße ist sehr eng und steil,  voller Haarnadelkurven und unübersichtlicher Abschnitte.



Heutzutage führt über sie nahezu kein Verkehr mehr,  aber wie muss es hier früher zugegangen sein mit Lastzügen, Bussen und Militärkolonnen? Wir können uns das gar nicht vorstellen, sondern sind froh, unseren für den Pass eigentlich viel zu großen RV hinauf und glücklich wieder hinunter zu bringen.

Oatman jenseits der Passhöhe ist ein winziges Western- und Goldgräberörtchen, dass heutzutage im Route66-Tourismus erstickt. Zwischen abgestellten Harleys und fotographierenden Selfi-Jüngern schleppen sich halbwilde klapprige Esel  über die Main Street - die auch die einzige Straße ist.
Mit Blick auf den Colorado-River und zwei Staaten jenseits des Ufers (Nevada und Kalifornien) führt die Straße wieder talwärts. 
Wir lassen Nevada allerdings rechts liegen und erreichen in Golden Shore schließlich den Fluss. Hier heißt es, nochmal zu tanken  denn in Kalifornien kostet die Galone Sprit die Hälfte mehr als im übrigen Amerika.  Wir tanken bei einem Trading Post mit unfreundlicher Bedienung und plärrender unverständlicher Lautsprecherstimme und erreichen schließlich direkt am Fluss die Auffahrt zur Interstate, auf der wir den Colorado und die Grenze passieren.
Ein bisschen Wehmut: Nach New York, New Jersey, Pennsylvania, Maryland, West Virginia, Virginia, North Carolina, Tennessee, Alabama, Mississippi, Arkansas, Missouri, Kansas, Oklahoma, Texas, New Mexico, Utah und Arizona ist Kalifornien nun der 19. und letzte Bundesstaat auf unserer langen Reise.

Direkt nach der Grenze der Stop zur Inspektion, die einzige Grenzkontrolle innerhalb der USA. Angeblich möchte Kalifornien die Einfuhr von landwirtschaftlichen Schädlingen verhindern, Im Internet ist eine lange offizielle Liste abrufbar, welches Obst und Gemüse nicht eingeführt werden darf. Das Gespräch mit dem freundlichen Kontrolleur lief dann so: "Hi guys, where are you from?" "Germany." "No, where are  you from today?" "Arizona, King.... äh Kingston... äh...Kingsmen..." "Kingman?" "Yes." "Do you have any fireworks aboard?" "No." (überrascht). "Ok, take care" - keine Frage nach Obst und Gemüse, wir fahren schon ein wenig verwundert wieder an.

Needles ist angeblich die heißeste Stadt der USA. Tatsächlich klettert das Thermometer heute auf 34 Grad Celsius, kein Vergleich zur Frostnacht in Flaggstaff vor anderthalb Tagen. Heute Nacht soll es bei 23 Grad bleiben, das wäre mehr als die Summe unserer nächtlichen Tiefsttemperaturen der letzten Woche.
Needles zeigt sich uns aufgeräumt und freundlich. Bei einem Fotostopp an einer Peanuts- Hauswand hält spontan ein Mann in einem Pickup und erläutert mir  wo wir noch mehr Fotomotive finden könnten.

Der KOA-Campingplatz liegt außerhalb direkt an der alten Route66 mit Blick auf das Tal des Colorado mit Arizona am jenseitigen Ufer. Hier haben wir Glück,  bekommen wir doch einen der in der Hitze ebenso raren wie begehrten Schattenplätze zugewiesen. Dass der in der Wüstenhitze gern angenommene Pool kaputt ist, ist der Chefin sichtlich unangenehm; aber auch so ist diese Campsite eine der wirklich guten auf unserer Reise.



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