Die laue Sommernacht endet in den Morgenstunden mit einem Wolkenbruch, die Regentropfen prasseln wie ein langer Trommelwirbel auf das Blechdach. Beim Frühstück und RV-Flottmachen einschließlich Dump-Station ist es jedoch wieder trocken.
Die vierspurige Bundesstraße US72 Richtung Westen stößt alsbald an die Bahnstrecke Huntsville-Memphis und läuft dann parallel zu ihr. Nach einigen Meilen überholen wir einen langen Güterzug, der auf freier Strecke zu stehen scheint. Welch eine Chance auf ein Foto. Wir biegen bald ab von der Hauptstraße zu einem Bahnübergang, der ein lohnendes Motiv abgäbe. Ich gehe mit der Kamera in Stellung. Leider kommt der in der Ferne sicht- und hörbare Zug nicht näher. Statt dessen beginnt es zu regnen, immer heftiger, so dass ich unter einem Baum Schutz suche. Plötzlich Hupen von der Gegenseite: 5 Loks kommen ins Bild und können photographisch im Regen nur "notgeschlachtet" werden; sie ziehen einen endlosen Güterzug an mir vorüber, 100 Waggons ist die Schlange gewiss lang, die über fast 10 Minuten in mäßigem Tempo an mir vorüberrumpelt. Als der Zug endlich vorbei ist sprinte ich zum RV zurück und bin sofort klatschnass. Hoffentlich habe ich bei der nächsten Eisenbahn-Begegnung wieder mehr Glück.
Die nächsten Meilen sind im Starkregen, Gewitter und Sturm kaum zu bewältigen. Selbst die ansonsten unverdrossen rasenden Trucks wechseln auf Langsamfahrt. Wir sind froh, als sich der Regen schließlich wieder auf Normalmaß beschränkt.

In Florence machen wir beim Walmart Station zur Verproviantierung. Die Stadt am Tennessee-River besteht hauptsächlich aus endlosen Straßen voller Supermärkte, Autohändlern, Tankstellen, Billig-Restaurants aller Geschmacksrichtungen und zwielichtigen Kleingewerbebetrieben. Das Florenz in Italien ist deutlich reizvoller, ist unser einhelliger Kommentar hierzu.
Vor Corinth - kein bisschen charmanter als Florence - queren wir die Grenze nach Mississippi. Der Staatenwechsel ist im Straßenzustand deutlich zu spüren, von glattem Ashalt wechseln wir auf eine rumplige Schlaglochpiste. Die linke Spur ist in etwas besserem Zustand also fahren wir Material- und Nerven-schonend links, bis auf der Gegenspur ein Polizeiwagen auftaucht, der dann auch prompt in unsere Fahrtrichtung wechselt. Da rumpeln wir jedoch schon wieder vorschriftsmäßig auf der rechten Seite ("State Law - Slower Traffic on right lane"), so dass er uns nach bangen Minuten des Hintereinanderher-Fahrens unverrichteter Dinge überholt.
Die Straße führt in endlosen Geraden durch scheinbar unbewohntes waldiges Hügelland.
In Walnut/ Mississippi machen wir Kaffeepause. Der "Ort" besteht aus einer Straßenkreuzung, mehreren Baracken, einem Subway-Store sowie einer quirligen Großtankstelle mit Markt für den Fernfahrerbedarf und -appetit. Hier spielt sich wohl das nachmittägliche Leben der Umgebung statt, ein stetes Kommen und Gehen unterschiedlichster Menschen.
Die Vororte von Memphis empfangen uns mit nachmittäglichem Berufsverkehr, wir erreichen zum Glück ohne Stau unseren Campingplatz in Horn Lake/ Mississippi - betrieben von der Kette Yogi Bears. In Lage und Geräuschumfeld ist diese Campsite das genaue Gegenteil der Einsamkeit dee Wheeler Lake, aber als Ausgangspunkt für unseren morgigen Besuch beim King ist dieser Platz quasi in der Stadt ideal gelegen.



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