Beim Frühstück schauen wir zu, wie unsere Platznachbarn ihren Riesenbus flottmachen für die Abfahrt. Kein Kabel und kein Schlauch muss aufgewickelt werden, alles wird elektrisch aufgerollt. Ich komme während sie den als Anhänger gezogenen Kleinwagen am Bus arretieren - mit den beiden noch kurz ins Gespräch, sie kommen aus Florida und sind auch Richtung Westen unterwegs. "What a beautiful place" dieser Campingplatz sei, meint die Frau, mein Hinweis auf die im Hintergrund dröhnende Interstate wird einfach höflich übergangen. Sie sei für ein Jahr in München gewesen, "with the Army" - klar - und es habe ihr dort sehr gut gefallen. Mit einem herzlichen "Grüß Gott" verabschiedet sie sich, und ihr Panzerkreuzer setzt sich in Bewegung.
Wir brechen eine dreiviertel Stunde später auf Richtung Lynchburg. An der Ausfahrt von Manchester wieder viele Kirchen, eine bittet auf einem Schild: "Pray for our President"....
In der Ortseinfahrt von Tullahoma kommt endlich, worauf ich schon seit 10 Tagen warte: Echter Eisenbahn-Kontakt, 2 Dieselloks warten auf Weiterfahrt, und darauf, von mir passend fotografiert zu werden. Ich habe das Pärchen im Kasten gerade als die Fuhre mit viel Gehupe und viel Feinstaub ausstoßend weiterfährt.
In Lynchburg wollen wir die Destillerie von Jack Daniel's besichtigen. Die Tour erweist sich als überaus liebevoll und gut gemacht. Wir kommen durch Lagerhallen, gehen durch die Fertigung der Produktlinie One Barrel von der Maischegewinnung bis zur Flaschenverpackung und erfahren auch einiges über Jack Daniel himself, der mit 6 von Zuhause ausgerissen war und 1863 als 16-Jähriger mit 25 Dollar Einsatz und einem geschickten Deal dieses Whisky-Imperium gründete, gute Löhne zahlte und für seine Angestellten aller Hautfarben soziale Absicherung bot . Er wählte Lynchburg als Standort, weil es hier das beste Wasser gibt, und noch heute kommt jede Flasche JD "die irgendwo auf der Welt geöffnet wird" aus Lynchburg/ Tennessee.
So gemütlich altmodisch die Destillerie war, die Massenware wird in einer großen modernen Fabrik am Ortsrand produziert, an der wir bei der Weiterfahrt ebenso vorbeikommen wie an langen Reihen von Lagerhäusern, wo der Massen Whisky 3 Jahre reift. Lange denken wenn noch über die Worte unseres Führers Steve nach: "Wenni ch es mir wünschen könnte, dann würde ich in der Zeit von Jack Daniel leben, ihn kennenlernen und ein bisschen so sein wollen wie er."
Wir passieren bald die Staatsgrenze nach Alabama und fahren auf einer hässlichen Schnellstraße nach und durch Huntsville. Am hiesigen spektalulären Space Center, das u.a. mit einem Space Shuttle und einer riesigen Saturn V-Mondrakete aufwarten kann, fahren wir direkt vorbei.
Dann überqueren wir den zum Wheeler Lake aufgestauten Tennessee-River, an dessen Ufer einige Meilen weiter auch unsere Campsite liegt. Hier ist noch so sehr Vorsaison, dass das Office noch unbesetzt ist. Unsere Reservierung samt Einfahrtscode ist an die Wand des Office geklebt. Nur ein halbes Dutzend Stellplätze direkt am Wasser sind besetzt und auch auf uns wartet ein Platz mit Finnland-artiger Aussicht.
Wir sitzen - nachdem der Zwerg eingeschlafen ist - einen herrlichen langen Abend in den Campingstühlen vor unserem Camper und blicken auf den See. Es ist bis in die Nacht sommerlich warm - der erste Abend, der uns an viele Abende in Neuseeland erinnert.
Sweet home Alabama,
where the skies are so blue
Sweet home Alabama,
Lord, I'm coming home to you





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