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Dienstag, 11. Juni 2019


Montag
Heute heißt es Abschied nehmen.

Wir haben uns den Wecker gestellt, damit wir auf jeden Fall zeitig genug dran sind, um vor der berühmten L.A.-Rushour - man denke nur an FALLING DOWN mit Michael Douglas - unterwegs zu sein zur Rückgabe unseres RVs. Ziel ist, die Abgabestation bei deren Öffnung um 8 Uhr zu erreichen.

Nach einem Kaffee und tausend kleinen Handgriffen, zum Beispiel müssen die Abwassertanks leer sein, dafür müssen wir ein letztes Mal dumpen - verlassen wir die Campsite um halb acht und biegen auf den Freeway ein. Eine kleine Verwirrung gibt es noch, da die Adresse der Abgabestation im Großraum Los Angeles dreimal vorkommt, ansonsten läuft die Fahrt reibungslos und staufrei.  

Auch die RV-Abgabe erweist sich als unproblematisch. Wir empfinden den Ablauf mit einer Vielzahl von Beteiligten jedoch nicht so professionell wie vor anderthalb Jahren in Christchurch - das ist der einzige Vergleich den wir haben. Bis wirklich alles aus dem Wagen ausgeräumt, Überzähliges weggeworfen, der Kühlschrank ausgewischt und alle Taschen fertig gepackt sind erfordert es jedoch noch einmal einen finalen Kraftakt. Dann steht unser Zuhause der letzten sechseinhalb Wochen leer vor uns, ein Zettel auf der Windschutzscheibe weist bereits seinen Weg hin zu neuen Aufgaben.
Bei der Schlüsselübergabe und Kautionsauslösung folgt dann aber noch ein Schock: Die Kosten für den beim Ölwechsel in Albuquerque entstandenen Schaden müssen wir tragen, der Schadenersatz durch die Ölwechselfirma ist unsere Sache. Das hätten wir uns als Ausländer anders gewünscht.

Der eigentlich von uns gebuchte Transfer zum Flughafen findet erst um 12 Uhr statt. Das würde zwei Stunden Warten auf dem Firmengelände erfordern sowie mit Blick auf unsere Abflugzeit um 17:20 Uhr einen Unsicherheitsfaktor bedeuten. Also buchen wir kurzerhand über eine bekannte Taxi-App einen Fahrer. Dieser kommt innerhalb von 3 Minuten, sein Toyota Corolla ist jedoch für unser Gepäck viel zu klein. Beim zweiten Versuch kommt dann ein großer Chevrolet Suburban, in den alles hineinpasst.

Die Fahrt zum Flughafen auf der Express-Spur der Freeways für Autos mit zwei oder mehr Personen an Bord läuft flink, lediglich vor den Terminals stehen wir im Stau. Unser Fahrer ist ein freundlicher Inder mit hartem Akzent, der Small Talk mit ihm ist nicht ganz einfach, ob wir wirklich alle Fragen von ihm richtig beantwortet haben bleibt ein Rätsel.

Der Check In der Koffer und des Kindersitzes (Sperrgepäck) klappt schnell (,"You are pretty early for the Munich-flight"), dafür ist der Security Check durch unsere Zwergerl-Nahrung ein endloses Procedere. Dann sind wir aber endlich durch und können in der Star Alliance-Lounge durchschnaufen.
Das Boarding ist dann leider eine halbe Stunde verspätet, die Maschine sei pünktlich gelandet, heißt es, habe jedoch dann sehr lange auf dem Vorfeld warten müssen. Unser Flugzeug ist der Airbus A380 "Wien", wie die "Rostock" auf dem Hinflug bereits im eher tristen neuen Lufthansa- Gewand. Wir fliegen im Oberdeck, also geht es im Flughafen nach Abgabe des Kinderwagens eine Treppe hoch. Bereits der Service vor dem Start ist um Klassen besser als der auf dem New York-Flug. Wir fühlen uns direkt wohl, und auch der Zwerg hat seinen Spaß.

Kurz darauf legen wir ab, rollen zur Runway, halten dort kurz und warten die parallele Landung einer Alaska Airlines 737 ab, und es geht los. Die 380 braucht einen langen Weg in die Luft, ist dabei aber sehr leise und ruhig, ein Jammer, dass diesem Typ keine große Zukunft mehr bevorsteht.
Dann sind wir in der Luft, es geht hinaus auf den Pazifik, in einer langen Linkskurve über das südliche Los Angeles und später lange über der Wüste in den Abend.

Auf Wiedersehen Amerika, Land der endlosen Horizonte, der großartigen Landschaften, der offenen und freundlichen Menschen - und der holprigen Straßen.

Mit diesem Abend hoch über der Wüste endet auch unser Blog üher unsere phantastische Across the USA-Reise von New York nach Los Angeles. Herzlichen Dank an jeden, der sich für diesen Blog interessiert, ihn verfolgt und gelesen hat. 

Take care !




Montag, 10. Juni 2019

Sonntag
Die sowieso schon sehr enge Zufahrt zu unserem Stellplatz ist heute früh noch zusätzlich von einem Pickup zugeparkt. Beim Rausrangieren ist uns zum Glück der Campsite- Chef  als Einweiser behilflich, der seinen Platz aus dem Effeff kennt und auf den Zentimeter genau weiß, wann man wie einzulenken hat. Ich brauche zum Glück keine Zeichen zu geben, am Ende - als der RV fertig ausgeparkt ist - meint er zu mir:"You have a brave girl!"

Der "Hollywood RV-Park zeigt übrigens an vielen Stellen eine sehenswerte Kreativität, beginnend bei den Namen der Campsite-Straßen bis zu großformatigen Gemälden an den Wänden. 
Es geht wieder zurück nach Santa Monica. Die Freeeways sind heute nicht ganz so voll wie gestern, das heißt aber lediglich, dass in der Kolonne der Abstand zum Vorfahrer doppelt so groß ist wie gestern; hinzu kommen die Rechtsüberholer und Drängler, die wir so hierzulande nur in Kalifornien erlebt haben. Insgesamt geht es flüssig voran, und Dank unserem Navi ist auch das Einordnen auf 12-spurigen Autobahnen  vergleichsweise unproblematisch.

In Santa Monica stellt sich wieder mal die Frage, wohin mit unserem RV? So genial das Reisen mit ihm über Land war,  so unmöglich ist mit ihm das Fahren und vor allem Parken in der Stadt. Die Parkplätze am Strand scheiden aus wegen Wucher (siehe gestern) und der Großparkplatz des  Civic Centers, den Geheimtip bekam ich über Facebook,  ist zwar völlig leer und wäre vergleichsweise sehr günstig, hat jedoch eine Längenbegrenzung auf 20 Fuß (wir haben 28 Fuß). Zum Glück erwischen wir etwa einen Kilometer vom Santa Monica Pier entfernt in der 3th Street eine Parklücke an der Straße, die in Länge, Breite, Höhe und Zufahrtsmöglichkeit genau passend ist.
Der Pier ist mit Achterbahn und Riesenrad unübersehbar, davor liegt der "Muscle Beach" mit allerlei Turngerät zur extrovertierten Körperertüchtigung.

Nach unserer langen Reise auf der Route66 beendet das offizielle Schluss-Zeichen "End of the Trail"  die Fahrt.

Daneben steht ein kleiner Kiosk, der neben 66-Andenken Zertifikate für 66-Absolventen ausstellt. Die Route66 war ein nicht wegzudenkender Kernbestandteil unserer Fahrt, also nehmen wir es nicht ganz hundertprozentig genau- uns fehlt ja eigentlich die Anfangsstrecke Chicago-Springfield- und lassen uns auch eins austellen.

Zurück im RV erreicht uns per Mail die Nachricht unserer nächsten und letzten Campsite in Anaheim, dass wir bis 17 Uhr dort sein müssten, ansonsten könnten wir die Bezahlung des Restbetrages unserer Gebühren erst morgen um 8 Uhr, wenn das Office wieder öffnet, begleichen. Um diese Zeit wollen wir aber bereits bei der Wohnmobil- Rückgabe sein. Also fällt notgedrungen der zweite Programmpunkt unseres L.A.-Kurzaufenthaltes aus, der spektakuläre Flugzeugspotter- Punkt beim In'n'Out-Burger am Sepulveda- Boulevard, an dem die Flugzeuge in 50 Meter Höhe mit den Händen fast zu greifen sind. Statt dessen nehmen wir mit Navi-Hilfe diverse breite Free-  Park- und Highways nach Anaheim, immerhin knapp 70 Kilometer nur durch die Stadt,  von Van Nuys nach Santa Monica  waren es zuvor auch schon 30 Kilometer- die Dimensionen von Los Angeles muss man erlebt haben, um sie zu glauben.
Wieder herrscht sehr dichter Verkehr auf allen Strecken. Trotzdem sehen wir keine Unfälle. Überhaupt haben wir auf den vielen Tausend  Kilometer seit New York nur einen einzigen harmlosen Auffahrunfall bemerkt. Bei uns reicht hierfür in der Regel die Fahrt zum Flughafen aus. Liegt es am durchweg geringeren Tempo oder an der (außer in Kalifornien und Santa Fe) sehr defensiven Fahrweise vor allem beim Überholen? Jedenfalls sehr bemerkenswert!

Die sehr ordentliche Campsite "Anaheim Harbour" liegt witzigerweise genau gegenüber von Disneyland, von dem wir aber außer dem Lärm und Beifall der Abschlussparade am Abend nichts mitbekommen. Den Rest des Tages verbringen wir dann mit Packen und Putzen.

"End of the Trail" stand in Santa Monica auf dem Schild. Auch für uns das Ende der langen Reise. Wie schon beim Route66- Midpoint-Diner in Texas am Tage unserer Reisemitte fällt nun auch deren Ende mit unserem Fahrtende zusammen. Man kann es nicht anders sagen: Die 66 hat unsere Reise durch Amerika geprägt.


Samstag
Es war dann doch nicht so laut wie erwartet,  die Lärm-Nächte in Memphis und Ashville bleiben somit zum Glück unerreicht.
Heute führt uns die California #1 fast durchweg am Meer entlang. Unterbrochen wird die Uferfahrt nur von der Fahrt durch Ventura, das wir über die Main Street passieren. Auch hier schöne Häuser, teilweise im Westernstil, teilweise repräsentativ, und vor allem ist die Downtown voller Leben.


Auf den US-Freeways fahren interessanterweise immer wieder auch Radfahrer. Zwar radeln sie durchweg auf dem Seitenstreifen, sind aber immer wieder eine überraschend auftretende Gefahrenquelle.


Weiter am Meer entlang geht dann die Fahrt, die kurvige  Straße ist eingezwängt zwischen Strand und einer hoch aufragenden Steilküste. 


Do geht es kilometerweit bis Malibu,  dem Inbegriff des Reichenortes. Dicht gedrängt stehen die mal kleinen mal sehr großen Häuser an der Strandlinie, mal in einem eigenen Quartier, meist aber direkt am Pacific Coast Highway: Der Abstand zur Straße  hat dann manchmal Park-Größe mit riesigen Einfahrten, mal passt ein Tennisplatz in den Vorgarten. Oft stehen die Häuser aber auch so dicht am Highway, dass die edlen Autos kaum einen Parkplatz finden und der Rolls Royce fast auf der Fahrbahn steht.

In Malibu haben wir verkehrsmäßig den Großraum Los Angeles erreicht : Auf einmal ist die Straße voller Autos - mit kalifornischer Fahrweise. Das ist manchmal schon ein wenig vogelwild und abenteuerlich.

Wo Malibu endet fängt Santa Monica an. Uns ist nach Betrachten des samstäglichen Verkehrs zum und am Meer und der vielen Leute am Strand recht schnell klar  dass wir mit unserem Panzer heute hier keinen Parkplatz finden - außer beim Beach Parking neben dem Pier, dort jedoch für RVs  bekanntermaßen für eine Parkgebühr von sage und schreibe 50 Dollar.

Also wenden wir uns für heute vom Endpunkt der Route66 ab und steuern unsere Campsite an. Diese liegt im Stadtteil Van Nuys in der Nähe von Hollywood und heißt demzufolge auch "Hollywood RV Park".  Der Weg dorthin führt jedoch erst einmal über die berühmt-berüchtigten Schnellstraßen, die wie im Film vielspurig und dicht befahren die Stadt durchziehen.


Aber irgendwann ist es geschafft, und wir fahren in die Campsite ein diese erweist sich als sehr gut geführt, alles ist sehr gepflegt, jedoch stellt das Einparken in die Back In-Sites über schmale Zufahrtswege noch einmal eine Abschluss- Herausforderung dar.
Den Rest des Nachmittages verbringen wir mit dem Beginn des Klarschiffmachens. Übermorgen muss alles gepackt und verstaut und das RV in übergabefähigen Zustand gereinigt sein. Der Abschied naht.

Und erst hier, am Ende der Reise, haben wir das Wetter, dass wir bereits in Staaten wie Arizona und New Mexico erwartet haben: Es ist warm, der Himmel ist blau.
It never rains in Southern California.....



Sonntag, 9. Juni 2019

Freitag
Wie so oft an solchen Plätzen ist unser RV der kleinste in der Reihe. 
Es ist sehr interessant, in die großen Trailer oder Busse der Nachbarn hineinzuschauen. Da bleibt kein Wunsch unerfüllt, vom großen Flachbildfernseher - gerne auch draußen beim Campfire - über großzügige Sitzmöbel sowie Waschmaschinen mit Trockner bis hin zu aus dem Chassis herausfahrbare Platzvergrößerungen (sog. "Slide  Outs") wird alles geboten. Und die Kollegen haben großes Geschick, diese fahrbaren Einfamilienhäuser mit ihren Pickups in enge Stellplätze zu manövrieren, gerne auch rückwärts (in sog. "Back in-Sites") über enge Wendeflächen. Das hatten wir ja schon damals bei Trevor in Harpers Ferry bewundert (wie lange ist das schon her....)
Die California #1 entfernt sich ab Pismo Beach erst einmal von der Küste. Im Binnenland geht es nach diversen Erdbeerplantagen später lange durch staubiges Weideland und kleine Ortschaften wie Guadelupe, das sich bei der Durchfahrt jedoch als recht interessant herausstellt.

Die Straße führt dann entlang der Vandenberg Air Force Base - NASA- Raketenstartplatz am Pazifik für Umlaufbahnen, die von Florida aus nicht erreichbar sind -, von der wir jedoch nur das Einfahrtstor sehen, bis nach Lompoc, wo wir Mittagspause machen.

Durch eine einsame Fels- und Wiesenlanschaft führt die Straße kontinuierlich wieder bergab und erreicht bald die Küste. Nun ist Santa Barbara nicht mehr weit. 
Ein Stau auf dem Freeway ist noch auszuhalten - Vorbote für Los Angeles, das inzwischen nur noch zweistellig auf den Entfernungstafeln steht. Die Autobahnabfahrt ist überraschenderweise links, was sehr gewöhnungsbedürftig ist, und geduldige Mitfahrer erfordert, die einen im Stau reinlassen- in Kalifornien eine seltene Spezies.

Wir erreichen dann am Nachmittag die heutige Campsite "Sunrise RV Park Santa Barbara". Schon auf den ersten Blick ist erkennbar, dass diese Nacht kein Spaß wird: Der Platz liegt genau im rechten Winkel zwischen Freeway und einer Auffahrt, und wir haben den exponiertesten Stellplatz. Na Bravo. Wer nicht wochenlang im Voraus buchen kann, muss nehmen was noch da ist....
Campsite-Host ist ein freundliches Ehepaar aus New Jersey (er)  und dem Mittleren Westen (sie). Nach frühzeitiger Pensionierung und einem 5-jährigen (!) RV-Trip führen die beiden nun diesen Platz in der "most beautiful City in America".

Am späten Nachmittag geht es dann noch mit dem Linienbus in die Stadt, die sich als sehr grün mit vielen Palmen und blühenden Bäumen erweist. Auch hier fühlt man sich sofort wohl, die Atmosphäre ist elegant aber nicht verstaubt, viele Cafés und Lokale laden zum draußensitzen oder hereinkommen ein, bei den Geschäften findet sich kaum eines der sonst üblichen Ketten.  Die Häuser sind überwiegend in einem mexikanischen Weiß gestrichen.

Am Pier und dem mit Palmen-begrenzten abendlich-leeren Strand kommt dann wieder echtes Feriengefühl auf.  Der Pazifik is blau und fast spiegelglatt - einfach nur schön.

Am Bahnhof steht dann noch als Überraschung der Amtrak-Schnellzug "Coast Starliner", der in 36 Stunden von Seattle nach L.A. verkehrt. Wieder einmal ein klasse Erlebnis, die brummenden US-Dieselloks und die eindrucksvoll hohen Doppelstock-Schlafwagen aus der Nähe  und dann vorbeifahren zu sehen.

Zurück "daheim" ist die Campsite dann weniger romantisch als die Stadt, aber mit einem Sauvignon Blanc erträglich. Bei der nächsten Rückkehr nach Santa Barbara werden wir uns eine schöner gelegene Location suchen.


Samstag, 8. Juni 2019

Donnerstag
Nach dem vielen anstrengenden Kurven gestern schlafen wir heute erst einmal aus, frühstücken ganz gemütlich und schaffen auf die Minute die Latest Check Out-Time um 12 Uhr. Bei unserer anschließenden Ortsrundfahrt erweist sich Cayucos als recht gemütlich und  familiär.

Heute haben wir viel Zeit, da unser nächstes Etappenziel bereits in 38 Meilen erreicht sein wird. Überhaupt verkürzen sich nun unsere täglichen Distanzen, da Los Angeles viel zu schnell näher kommt und vor Pfingsten kaum noch etwas frei ist, vor allem in See-Nähe für Spontan-Bucher wie uns.
Da auf dem heutigen Weg keinerlei Sehenswürdigkeiten zu erwarten sind, fahren wir noch einmal zurück zum Seeelefanten- Strand von Piedras Blancas. Dieses Wunder der Natur hat uns gestern so sehr beeindruckt, dass wir es noch einmal erleben wollen.
Wie gestern liegen die Tiere dicht an dicht am Strand, die urtümlichen Laute und Schreie sind bis auf den Parkplatz zu hören.
Die ganze Lookout-Area über dem Klippenstrand ist sehr durchdacht gestaltet. Man kommt den Tieren sehr nahe und kann sie fast auf Tuchfühlung beobachten,  jedoch ohne sie zu stören.

Wieder unterwegs, lockt uns ein Schild "Little Town Great Wines" in das Dorf Harmony, 12 Einwohner.  Die wenigen Häuser sind sehr pittoresk, erweisen sich jedoch als kleine Künstlerkolonie mit Glasbläserei und Töpferei, ein schöner alter Eiswagen findet sich auch, er hat jedoch leider nur am Wochenende geöffnet. Erst später realisieren wir, dass die Vinery etwas erhöht am Hang liegt, die steile Schotterzufahrt ist uns jedoch ein wenig zu heikel. Also fahren wir ohne Harmony- Wein weiter.

Nach dem Städtchen San Luis Obispo kommen wir wieder ans Meer und erreichen das Seebad Pismo Beach. Hier haben wir auf der größten Campsite unserer Tour vorgebucht:  Das 400 Stellplätze umfassende gigantische "Pismo Coast Village RV-Resort" liegt direkt an der Mündung eines kleinen Flusses ins Meer; der Strand wäre fußläufig erreichbar, jedoch nicht mit Kinderwagen. So schlendern wir ein wenig herum und beobachten die Ferienatmosphäre hier: Kinder fahren kreischend mit Fahrrädern oder  Elektrorollern herum,  im Pool wird geplantscht und es werden die abendlichen Campfires vorbereitet  Auf dem Fluss tummeln sich derweil schwarze Pelikane.


Wir sitzen erst noch draußen in der Sonne, dann holen wir uns Burger vom Campsite-Grill und  lassen den entspannten Tag gemütlich ausklingen.



Freitag, 7. Juni 2019

Mittwoch
Nach dem Start am Morgen in Moss Landing müssen wir zunächst noch einmal Vorräte ergänzen. Dafür halten wir beim Walmart in Marina, der ist vergleichsweise klein, aber gut sortiert, bietet er doch neben dem hier raren Samuel Adams-Bier auch den Zwergerlbrei mit den von ihm und uns favorisierten Zutaten an.

Heute steht die Königsetappe der California #1  auf unserem Programm: Die großartigen 100 Meilen von Carmel nach San Simeon. Bereits Carmel-by-the-Sea (hier war Clint Eastwood viele Jahre Bürgermeister, "Ich komme in eine Stadt, der Rest ergibt sich" beschrieb er einmal seine Filmrollen) ist ein echtes Highlight: Gepflegte Atmosphäre, einladendes  Understatement, gediegene Geschäfte und Galerien, entspannte Urlaubsatmosphäre - man fühlt sich sofort wohl hier.

Dann beginnt die einsame Bilderbuch- Küstenstraße, wer auf ihr losfährt, muss 100 Meilen durchfahren oder umkehren, Abzweigungen und Abkürzungen gibt es unterwegs keine. Es geht bis auf kurze Intermezzi immer am Meer entlang, prächtige Ausblicke reihen sich in einem fort aneinander. Einsam heißt jedoch nur abgelegen, nicht jedoch dass man alleine unterwegs ist.

Am Garrapata Beach kann man hinunter bis zu den Klippen gehen und schaut auf einen Weltklassestrand mit sagenhafter Brandung. Malt man sich ein Bild vom Paradies, so könnte es aussehen.
Das Wahrzeichen der Uferstraße, die Bixby Bridge  - sehen wir nur im Vorbei- bzw. Drüberfahren, denn wegen einer Baustelle mit langen Staus sind dort alle Lookouts gesperrt.
Anschließend steigt die Straße deutlich an und führt alpin anmutend in großer Höhe durch die Felsen. Sie ist großartig trassiert und stets breit genug für unseren RV, jedoch ermüden irgendwann die endlosen Kurven mit dem sperrigen Gefährt.

In einigen Felswänden hängen dichte Wolken, auch später noch ist an einigen Stellen Nebel unser gelegentlicher Begleiter. Da sonst überall die Sonne scheint, gewinnt die Straße dadurch fast etwas Mystisches, ihr "Weitab von allem"-Sein wird dadurch noch deutlicher spürbar. An einer Passage fahren wir sogar über den Wolken, das heißt natürlich über dem Nebel auf dem Meer.
Bergauf-bergab, rechts-links, hinter der Leitplanke der Abgrund - erst kurz vor San Simeon wird die Straße ruhiger und führt nun in  weiten Kurven durch Weideland. Diese einsame grüne Landschaft mit vom Wind verformten Bäumen erinnert uns nun wieder einmal ein wenig an Neuseeland, nur ohne die vielen Schafe.

Am Strand von Piedras Blancas erwartet uns dann eine Überraschung. Hier liegen Hunderte von Seeelefanten dicht an dicht im Sand und können von Lookouts beobachtet werden. 
Mit einer Dame kommen wir ins Gespräch. Sie ist Mitarbeiterin der Organisation "Friends of the Elephant Sea" und informiert hier über die Seeelefanten und ihre Verhaltensweisen. Jeden Frühling kommen die Weibchen und jungen Männchen zur Häutung hierher und liegen dann mehrere Wochen im Sand. Das Betreten des Strandes ist streng verboten, und wäre auch lebensgefährlich, vor allem in der Geburtszeit im Spätwinter oder im Herbst, wenn die oft 2 Tonnen schweren Männchen hier ihre Revierkämpfe austragen. Heute ist alles ruhig, und wir sind sehr beeindruckt von diesem Schauspiel.

Wir passieren Hearst Castle, das wie ein toskanischer Landsitz oben am Hang gelegene Traumschloss des Pressezaren Randolph Hearst, und erreichen dann- leider im Nebel - unsere Campsite in Cayucos. Hier sind RV-Fahrer Exoten unter sehr vielen Dauercampern, die aus ihren Wohnwagen- Trailern behagliche Behausungen oder Feriendomizile gemacht haben.

Das Meer ist heute Abend leider nicht zu sehen, aber der Sound der Brandung klingt bis zu uns. Zum ersten Mal auf unserer Tour schlafen wir mit Meeresrauschen ein.