Das südliche Memphis ist ein wenig trostlos an diesem grauen Freitagmorgen. Von unserer Campsite geht es schnurgerade nach Norden, über die Staats- und Stadtgrenze hinweg wieder nach Tennessee und nach Memphis hinein. Ab hier heißt die Straße "Elvis Presley Boulevard", nomen est omen - besser kann man nicht zu unserem heutigen Ziel anreisen: Graceland, Elvis' Wohnsitz und Zuhause.
Vor allem die 4-strahlige Convair 880 "Lisa Marie" beeindruckt uns mit ihrer plüschigen Ausstattung auf Komfort- Technik- und Geschmacksstand der 60/ 70er Jahre. Und beim Einsteigen durch die Flugzeugtür kommt zum ersten Mal dieses Gefühl: Hier war Elvis! Wir verfallen dabei nicht in schwülstiges Fan-Getue, sondern erfreuen uns vielmehr an der unmittelbaren Authentizität.
Gleiches Gefühl gegenüber im Anwesen, wohin wir mittels Kleinbus gelangen - gesteuert von einem rasend schnell in Südstaatenslang sprechenden Fahrer, namens Robert, der anscheinend gute Witze macht, denn die Leute im Bus lachen oft, an uns geht jedoch einiges davon vorbei.

Das Haus mit der bekannten Säulenfront ist innen erstaunlich ungeräumig und atmet die Zeit der 60er und 70er Jahre. Mit Pad und Kopfhörer geht es durch Erdgeschoss und Keller - das Obergeschoss ist gesperrt . Man erfährt alles was man wissen muss, und noch einiges mehr. Interviews auf dem Kopfhörer und auf Bilschirmen auch von familiären Aspekten überwinden die historische Distanz und schaffen ein Gefühl der Gegenwärtigkeit. Die Tour endet schließlich an seinem Grab mit einer sehr einfühlsamen Inschrift. Alles- drinnen und draußen- ohne Kitsch und Pathos, ein richtiggehend würdevoller Ort.
Ganz anders dann natürlich das Museum auf der anderen Seite des Boulevard. Hier findet sich alles was das Fan-Herz sehen will: Vom Pink Cadillac über Armeeuniformen bis zu den sagenhaft überladenen Bühnenoutfits, die in Schaukästen ausgestellt sind.

Grandioser Schlusspunkt sind die Goldenen und Platin-Schallplatten, die auf einer riesigen hohen Wand aufgehängt sind und so seinen unglaublichen Erfolg versinnbildlichen.

Inzwischen hat es wieder begonnen zu regnen. Mit der Überquerung des Mississippi überwinden wir die alte Frontier zwischen dem Osten und dem Westen Amerikas. Der große Fluss zeigt sich als breite graue Wasserfläche, er scheint zudem wegen der Regenfälle der letzten Wochen Hochwasser zu haben, denn auch nach der eigentlichen Brücke sieht man neben der Autobahn hauptsächlich Wasser.
Nun sind wir in Arkansas, und hier sind wir hinsichtlich des Straßenzustandes am unteres Ende angekommen. Die Interstate Richtung St. Louis ist eine einzige Kombination aus Schlaglöchern und Querfugen. Wir quälen das RV, es scheppert auf jedem Meter.
Nun sind wir in Arkansas, und hier sind wir hinsichtlich des Straßenzustandes am unteres Ende angekommen. Die Interstate Richtung St. Louis ist eine einzige Kombination aus Schlaglöchern und Querfugen. Wir quälen das RV, es scheppert auf jedem Meter.
Mit unserer KOA-Campsite haben wir diesmal richtig Pech: Sie liegt direkt an eben jener Interstate, in 100 Meter Abstand donnert der Verkehr vorbei, dazu in der Ferne eine vielbefahrene Bahnstrecke mit Signalgetute. Wir sind gespannt, wie unter diesen Umständen für uns 3 die Nacht wird. Dafür gibt es hier einen ganz besonderen Service: Ein Pizza-Taxi.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen