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Samstag, 18. Mai 2019

Mittwoch
Es ist wolkenlos und warm, als wir uns wieder auf den Weg machen. Erste Station ist der Walmart in Chandler, Besonderheit hier ist, dass ich meinen Ausweis beim Weinkauf vorzeigen muss. "Vorschrift", meint die Kassiererin auf meine Frage, ob ich wirklich jünger als 21 aussehe. Am Ortsausgang von Chandler dann ein riesiger Schrottplatz, bei dem es Unmengen von Kranwagen, große Stapel dreieckiger Gittermasten, undefinierbare voluminöse Maschinen in jeglichem Rostzustand  und vieles mehr zu kaufen gibt alles ordentlich nebeneinander gelagert.

Dann geht es weiter Richtung "Okla City", wie die Hauptstadt kurz und bündig auf den Verkehrsschildern heißt. Wieder einsames  leicht hügeliges Land mit gelegentlichen niedrigen Wäldern. Die Erde ist lehmig-rot, auch die Gewässer und Teiche haben diese Farben; überhaupt scheint sich ganz allmählich ein immer erdigerer Farbton durchzusetzen, das wuchtige Grün von Missouri oder gar den Appalachen ist verschwunden.
In Arcadia steht eine altertümliche Rundscheune, rund, weil sie so den hiesigen Stürmen besser standhalten kann, und weil es so keine Ecken gibt, in denen sich der Teufel verstecken könnte, heißt es. Danach wirbt eine riesige Limonadenflasche mit Strohhalm für das Limo-Angebot einer Tankstelle.

In Edmont haben wir die Vorstädte von Oklahoma City erreicht. Eine Bagel-Bäckerei weckt unser Interesse, mögen wir doch dieses runde  New York- und Ostküsten-Gebäck sehr gerne. Drinnen herrscht Hochbetrieb  es geht es zu als wenn warme Semmeln verkauft würden. Ich bestelle  für uns aus dem riesigen Angebot Barbeque- und 4-Cheese- Bagel to go, sehr lecker. "No New York in the name, but the taste is the same"  wirbt der Laden - Stimmt. Beim Liquor-Store nebenan frage ich nach Samuel Adams-Bier, eines der wenigen US-Biere, die man wenn man sich nicht auskennt mit Genuss trinken kann. "So difficult to get at this side of the Mississippi", sage ich zum Verkäufer. "Don't go to Walmart, try stores like mine" meint dieser, "We sell tonns of them." Ganz ungläubig ist er, als ich auf seine Frage, welches denn  mein Lieblingsbier in Deutschland sei: Andechser, gebraut in einem Kloster: "That's funny!"  Einen Ausweis musste ich übrigens nicht vorzeigen. "I trust you!"

Oklahoma City durchfahren wir auf breiten Straßen und kommen dabei auch am  örtlichen Kapitol vorbei. Die Stadt scheint deutlich wohlhabender zu sein als Tulsa, jedenfalls macht es auf uns einen viel besseren Eindruck. Die allgegenwärtigen Thermometer zeigen 84 Grad Fahrenheit an, also schlappe 30 Grad Celsius.  Aus der Stadt  heraus geht es auf breiten Straßen, Yukon und El Reno heißen die nächsten  größeren Orte. "Tornado Alley" nennen die Amerikaner diesen Landstrich, der extrem anfällig für diese Stürme ist.  Fast jede Stadt hat hier ihre schicksalhafte  Tornado-Geschichte, auch die Hauptstadt blieb nicht verschont. Uns kommt es fast wie ein Tanz auf dem Vulkan vor, hier zu leben.

Inzwischen hat sich die Landschaft ins Großartige verändert. Es ist leicht wellig mit Ausblicken, bei denen der Horizont Dutzende Kilometer entfernt zu sein scheint. Die Rolling Prärie ist erreicht, die Karl May in "Old Shurehand"  so treffend beschrieb. Beeindruckend ist die endlose Weite der Szenerie, und der unendlich scheinende Horizont. Neben der Straße immer wieder Ölpumpen und Rohre, die aus dem Boden kommen, der Reichtum des Landes liegt unter der Erde. Das macht sich auch in den sensationell günstigen Benzinpreisen bemerkbar.
Dann führt uns unser  Reiseführer - um Route66-  Authentizität bemüht - irgendwann auch auf Straßen letzter Ordnung, welche früher vielleicht mal die Route66 waren, heute jedoch kilometerlange Strecken mit Betonfugen und stümperhaft ausgebesserten Schlaglöchern, die schnurgerade jede Geländeformation mitnehmen. Nur die lange Brücke über den Canadian River verdient aus diesem Holperabschnitt des Tages besondere Erwähnung.
Die Campsite in Weatherford liegt zwar direkt neben der Interstate 40, die hier in der Einsamkeit die Lebensader bildet, ist von dieser jedoch durch einen kleinen Hügel getrennt, so dass es sehr ruhig ist. Sie heißt "Wanderlust" - keine Ahnung warum - ist flammneu und mit allem ausgestattet, was wir brauchen. Also ist heute Abend Waschtag.

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