Nun, wir haben den RV-Park natürlich nicht gekauft....
Lorey, die Platz-Besitzerin, kommt noch einmal vorbei um uns zu verabschieden; kurz vor der Abfahrt kommt auch noch ihr Mann Peter - ein Thru-Hiker des Appalachian-Trail, Chapeau. Seine Frau hätte gesagt, dass er uns noch kennenlernen müsse, meint er. Es ergibt sich ein kurzes sympathisches Gespräch. "I really like your lovely German accent!" sagt er zum Abschluss.
Von West Plains aus geht es nach Springfield/ Missouri über die Interstate 60, so dass wir zügig vorankommen. Irgendwann auf dieser Strecke - auch Amerika ist nur ein Dorf- überholt uns der Bus unserer Campsite- Nachbarn aus Manchester/ Tennessee - die Frau, die Grüß Gott zum Abschied sagte. Es gibt Dinge, die gibt es gar nicht...
Kurz vor Springfield meldet der Zwerg seine Lunch-Bedürfnisse an. Also verlassen wir die Interstate bei nächster Gelegenheit und landen in Fordland, einige niedrige Häuser, 2 Kirchen und eine verlotterte Tankstelle, neben der wir anhalten. Hinter der Tankstelle liegen jedoch Gleise, wieder die Strecke Kansas City- Memphis. Während der Zwerg seinen Brei konsumiert (heute gibt es wieder Squash) gehe ich an der Bahn in Stellung, und ich habe doppelt Foto-Glück: Zunächst Richtung Norden ein gemischter Güterzug mit 4 Dieselloks und 109 Waggons (wieder mitgezählt), und im Blockabstand dahinter ebenfalls northbound wieder so ein gigantischer Zug mit 4 Loks und Schüttgutwagen (diesmal leer) , noch deutlich länger als der vorherige Zug , laut hupend und mit einem Mordstempo - äußerst beeindruckend!
Der Stopp hat uns die Zeit gekostet, die wir eigentlich für den Besuch der Bass Pro Outdoor World eingeplant hatten, laut Eigenwerbung „the world‘s largest sporting and outdoor goods store“. Man kann halt nicht alles sehen, und große BN&SF-Dieselloks kann man daheim nicht anschauen, Outdoorläden schon.
Downtown Springfield umfahren wir daher weiträumig über den Kansas Expressway, biegen in die Chestnut Street ein und sind damit auf der altehrwürdigen und historischen Route66, die von Chicago herunterkommt und der wir nun bis nach New Mexico folgen wollen. Sie war einst die erste durchgehende Ferntraße nach Kalifornien, verlor jedoch durch die Interstates jegliche Bedeutung, das merken wir bereits an der Ortsausfahrt aus Springfield, als wir uns auf einmal auf einer Provinzstraße wiederfinden, die jedoch trotzdem unmissverständlich mit "Historic Route66" ausgeschildert ist. Die alte Straße verläuft schnurgerade und nimmt jeden Senke und jeden noch so kleinen Hügel mit.


Eine halbe Stunde später im Flecken Paris Springs Junction machen wir Kaffee- und Zwergerl- Fläschchen-Pause an einer liebevoll renovierten alten Sinclair-Tankstelle, die noch den Geist der 40er Jahre ausstrahlt.

George, zusammen mit seiner Frau Besitzer des Geländes, setzt sich zu uns. Sein Schwiegervater Gary Turner hat das alles geschaffen, nun versucht er, das liebevoll- pittoreske Gesamtkunstwerk zusammen zu halten. Die Tankstelle ist wie ein kleines Freilicht-Museum mit rostigen Polizeiwagen, zeigenössischen Krimskrams und jede Menge Schildern, u.a lustigerweise auch ein Zuglaufschild aus Europa, :"I bought it not in Europe but in Springfield, just a few miles from here." George schreibt uns noch einige Tipps für die nächste Wegstrecke auf und wünscht uns dann alles Gute auf dem Weg nach Westen.
2 Meilen weiter eine klapprige Brücke und eine weitere erhaltene 50er Jahre- Tankstelle (ohne Museum), dann geht die alte Straße erstmal in der moderne Staatsstraße auf. Diese verläuft nun über gut 25 Kilometer absolut schnurgerade bis nach Carthage, unserem heutigen Ziel.
2 Meilen weiter eine klapprige Brücke und eine weitere erhaltene 50er Jahre- Tankstelle (ohne Museum), dann geht die alte Straße erstmal in der moderne Staatsstraße auf. Diese verläuft nun über gut 25 Kilometer absolut schnurgerade bis nach Carthage, unserem heutigen Ziel.
Da der Zwerg nun nachdrücklich keine Lust mehr hat, verschieben wir die Stadtrundfahrt auf morgen. Unsere Campsite liegt direkt an der alten Straße, ist baumlos und wirkt fast wie ein Autokino. "Are you guys riding on the 66?" fragt mich die freundliche Frau im Office. "Sure", antworte ich. Für die nächsten1000 Meilen ist die alte "Main Street of America" ja auch unsere Straße.



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