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Donnerstag, 16. Mai 2019

Dienstag
Der Aufenthalt am Grand Lake war so schön, dass wir kurz überlegen, einen Tag hier zu bleiben, um Sonne und See weiter zu genießen. Jedoch ziehen im Osten schon zur Frühstückszeit dunkle Wolken über das Himmelsblau. Zudem zeigt ein Blick auf die USA-Karte, dass sich Oklahoma zwar schon nach Wildem Westen anhört, dieser hier jedoch allenfalls beginnt, und wieviel Stecke kurz vor der Halbzeit immer noch vor uns liegt.

Also starten wir wieder zurück auf dem Weg, auf dem wir gestern abgebogen sind. Östlich von uns geht unter den dunklen Wolken ein Regenguss nieder, Richtung Westen wieder auf der Route66 fahren wir jedoch der Sonne entgegen.  Die Landschaft bleibt bis auf einige kleine Geländewellen flach und offen. Felder und Wiesen, unterbrochen von kleinen Gehölzen, bestimmen das Bild. Die weit verstreuten Häuser und Wohnbaracken stellen - bis auf ein paar Farmen mit teilweise repräsentativen Einfahrten - offensichtlich keinen Reichtum zur Schau.

Wir durchfahren Orte und Kleinstädtchen mit Namen wie Vinita, Chelsea oder Claremore, die einen heruntergekommen, die anderen sichtbar vital, und passieren einige aufgelassene Tankstellen und Motels als Zeugen einer früher besseren Zeit. Die Interstate verläuft parallel mal näher, meist jedoch weiter weg von uns und bewältigt heute den Durchgangsverkehr.

Vor Cartoosa wartet eines der Route66- Schmankerl auf uns: Der blaue Wal. Einst - mit Wasserrutsche und Sprungbrett auf der Heckflosse - Attraktion eines längst geschlossenen "Swimming Parks",  ist das begehbare Kuriosum heute eine Sehenswürdigkeit an sich, schwimmen ist jedoch verboten. Als Kind sei sie noch vom Wal gerutscht, meint die Dame des Souvenirshops, und der Park damals sehr beliebt gewesen. Sie gehe heutzutage nach Feierabend aber gelegentlich immer noch schwimmen im alten Schwimmbad-Teich.


Tulsa, immerhin fast 400.000 Einwohner, durchfahren wir auf der alten 66-Strecke von Ost nach West. Die Stadt ist gefühlt riesig, jedoch auf unserer Route ziemlich hässlich. Zudem präsentierren sich die Straßen in desolatem Zustand; materialschonendes Fahren ist auf dieser Schlagloch- und Bodenwellenpiste - die alles bisher Durchfahrene in den Schatten stellt - unmöglich.  
Der Stadtkern zeigt sich mit Geschäftshäusern, Restaurants und Kirchen deutlich freundlicher, mit Überqueren des breiten Arkansas-Rivers wird es jedoch wieder trostlos. Raffinerien veredeln das vor Ort geförderte Öl, Lastwagen, Highway-Brücken und Eisenbahnschienen prägen das Bild. Da wir die  Hauptsehenswürdigkeit der Stadt, die 25 Meter hohe Statue eines sich an einen Bohrturm anlehnenden Ölarbeiters, nicht entdeckt haben, bleibt eine liebevoll präsentierte Dampflok direkt an der Straße für uns die einzige Attraktion Tulsas. 
Die Route66 verlässt die Stadt heutzutage  schließlich auf einer unbedeutenden Nebenstraße, die in Sapulpa wieder auf aktuelle Verkehrsadern stößt. Hier frequentieren wir bei einer Zwergerl-Zwangspause endlich einmal einen der unzähligen Dollar General-Supermärkte,  Angebot und Preise lohnen jedoch nicht. Eigentlich hätten wir heute gerne auch einen der sonst überall aufzufindenen Burger-Brater aufgesucht  jedoch gab es in und seit Tulsa ausschließlich Taco-Buden, so dass wir heute hungrig bleiben.

In Bristow schließlich, ein verschlafenes Nest im Western-Stil und unser heutiger Zielort, verfahren wir uns und verpassen die Abzweigung der Route66 von der Main Street. Wenden ist mit unserem Wohn-Kreuzer nicht ganz einfach, gelingt dann aber an einer Tankstelle und wir gelangen am Ende doch zu unserem Campingplatz. Diese ist sehr einfach gehalten und besteht hauptsächlich aus Stellplätzen für Dauerbewohner sowie einer Handvoll RV-Sites mit Strom und Wasser für Durchreisende wie uns.

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