Die Nacht an der Interstate war nicht die beste,. Zum Glück liegt nicht jede Campsite derart verkehrsgünstig.

Heute wollen wir ein wenig Meilen machen. Zunächst geht es im Regen über die Interstates 55 und 555 durch eine brettebene Agrarlandschaft mit riesigen Feldern. Beim Walmart in Jonesboro gelingt endlich der Nachkauf von Zwergerls Babybrei. Apropos Zwerg: so reist er durch Amerika:
Auch danach bleibt Arkansas flach; durch den vielen Niederschlag stehen weite Flächen unter Wasser. Für heute hat der Regen jedoch aufgehört.
Über viele Meilen parallel zur Straße - die jetzt US63 heißt - verläuft die eingleisige Bahnstrecke Memphis-Kansas City. Vor Bono steht ein Güterzug in der Ausweiche und wartet auf den Richtung Süden laufenden Gegenzug. Nun heißt es aufpassen, denn vielleicht kommt der Gegenzug ja photographisch passend. Und tatsächlich: Bei der Durchfahrt durch den Flecken Portia sehen wir ihn; Kamera hoch, und zum sagenhaften Glück ist die Lücke zwischen den Bäumen ausgerechnet hier lang genug, um 3 Loks der Burlington Northern Santa Fe abzulichten. Die Loks ziehen einen gigantischen Ganzzug aus 129 (mitgezählt) Schotterwagen, am Ende schiebt noch eine vierte Lok.
In Richtung der Grenze zu Missouri hin wird es hügliger und waldiger. Es geht hinauf und hinab.

Wir fahren durch Dörfer, bei denen wie in einem Lucky Luke-Comic die Einwohnerzahl am Ortseingangsschild angeschlagen steht. Reich ist hier offensichtlich noch niemand gewesen, der in den Häusern entlang der Straße wohnt, viele sind heruntergekommen oder verlassen.
Nach der Staatsgrenze wirkt alles etwas ordentlicher, nicht mehr so verlebt. Zudem ist die Straße jetzt gut ausgebaut, so dass wir zügig West Plains erreichen.
Unsere Campsite liegt abgelegen ein paar Meilen südlich. Sie ist sehr gemütlich und wird geführt von einer ausgewanderten rührigen Österreicherin, die schon so lange in den USA lebt, dass sie - wofür sie sich mehrfach entschuldigt - lieber Englisch mit hartem Austro-Slang mit uns spricht. Wir führen eine lange Unterhaltung mit ihr und erfahren, dass sie 1992 mit ihrem Mann seinerzeit auch auf dem Weg zur Route 66 waren, als sich für die beiden bei einer Übernachtung auf diesem Campingplatz die unverhoffte Gelegenheit ergab, ihn zu kaufen. So blieben die beiden, die bis dahin bei New York lebten, hier in der Provinz von Missouri. Viele Jahre sind seitdem vergangen, sagt sie, dies sei wohl ihre letzte Saison. Nun überlegen wir den ganzen Abend, wie es wäre, einen RV-Park zu kaufen, und genießen die totale Ruhe hier.
Nach der Staatsgrenze wirkt alles etwas ordentlicher, nicht mehr so verlebt. Zudem ist die Straße jetzt gut ausgebaut, so dass wir zügig West Plains erreichen.


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