Donnerstag
Es war wirklich eine warme Nacht, keine Heizung, keine Zusatzdecken - herrlich.
Es war wirklich eine warme Nacht, keine Heizung, keine Zusatzdecken - herrlich.
Wir beginnen auch heute gemütlich; in der Schlussphase unserer Reise lassen wir es morgens ein wenig ruhiger angehen. Auch geben wir auch bei den Campsite- Reservierungen stets "Late Arrival" an, damit wir im Zweifel unabhängig sind von deren Öffnungszeiten.
Nach Zwergerls zweitem Frühstücksfläschchen geht es los. Vom heißen aber fruchtbaren Tal des Colorado geht es bergan in die Mojave- Wüste. Mit jedem Kilometer wird es trockener. Die Wüste ist dabei jedoch keine endlose Sandfläche, sondern locker bewachsen mit trockenen Grasbüscheln und niedrigem Gestrüpp. Der Blick weitet sich auf riesige Ebenen, begrenzt von unzugänglichen Bergketten.
An manchen Stellen bilden sich Quellwolken, auch wir müssen einmal kurz den Scheibenwischer anmachen, die meisten Tropfen werden jedoch verdunstet sein. Parallel zur Route66 verläuft die vielbefahrene Bahnstrecke an die Küste, die Interstate ist nur gelegentlich in Sichtweite. So geht es Meile um Meile durch die Hitze an verlassenen Dörfern vorbei, die ihre erloschene Blütezeit entweder der 66, der Eisenbahn oder längst vergessenen Minen verdanken.

Des einen Freud des anderen Leid: "Desert Oasis" ist die einzige Tankstelle über 100 Kilometer, so bildet sich der Benzinpreis über die Monopolstellung und erreicht fast unredliche Höhen. Wir haben jedoch vorher vollgetankt und fahren an der Oase des Wuchers vorbei.

Dann treffen wir an einer Interstate-Auffahrt im Nirgendwo auf ein Sperrschild: "Road closed" - die Route66 ist gesperrt, warum ist nicht ersichtlich.

Wir müssen also auf die Interstate ausweichen, der wir bis zur Abfahrt zum Joshua Tree-Nationalpark (der aber noch 70 Meilen weiter südlich liegt) folgen. Über mehrere Meilen geht es nun hinab in eine Salzsee-artige Tiefebene wo wir wieder auf die Route der 66 treffen.


Hier unten, im hitzeflirrenden Schmelztiegel der Wüste liegt Amboy, in alten 66-Zeiten wichtige Wegmarke mit Tankstelle und 24 Stunden- Diner. Heute liegt hier alles brach, nur die Tankstelle mit Imbiss hat schlecht und recht überlebt und nennt sich "Roy's Café".



Es ist schlicht zu heiß, um hier länger als für Zwergerls Lunch zu verweilen, weiter geht die Fahrt an mehreren erloschenen Vulkankratern und ihrer schwarzen Lava vorbei immer Richtung Westen.

Die Strecke ist wegen zweier kleiner Brücken für max. 3 Tonnen zugelassen (Wie schwer ist unser RV nochmal?), jedoch wechseln sich hier in kurioser Unordnung weitere Brücken mit 16, 17 und 18 Tonnen Beschränkung munter ab, an die wegen der vorher und nachher ausgwiesenen 3 Tonnen gar kein Truck dieser Gewichtsklasse erreichen dürfte.
Noch kurioser dann eine Baustelle, an der wir zunächst ohne jeden Grund bei einem Arbeiter mit STOP-Schild halten müssen. Außer Ashaltier-Maschinen in der Ferne ist weit und breit nichts zu sehen. Dann kommt uns aus dem Hitzeflimmern ein einzelner Pick Up entgegen, der hinter uns dreht. "Warten wir auf einen Lotsen?" fragen wir uns im Scherz. Und tatsächlich: Wie für ein Flugzeug hat der Pick Up hinten ein Schild: "Pilot Car - Follow Me". Wir werden nun also durch die Asphaltierungsarbeiten gelotst; er fährt auf der einzigen überhaupt befahrbaren Spur, ohne ihn wären wir völlig verloren gewesen. Das Schmunzeln über diese Baustelle haben wir noch viele Meilen später auf den Lippen.


In der einsamen Wüstenhitze von Bagdad passieren wir das "Cafe Bagdad", Drehort des Spielfilms "Out of Rosenheim" mit Marianne Sägebrecht.
Dann erreichen wir Barstow, unser heutiges Ziel. Am Ortseingang fahren wir am weitläufigen Logistik-Zentrum des US Marine Corps entlang. Hier stehen Hunderte von Fahrzeugen aller Art auf riesigen Flächen abgestellt, die meisten in Wüstentarn bemalt - wo mag deren Reise wohl hingehen? Beim Walmart treffe ich auf die ersten Marines, die ich je gesehen habe, und an der Tankstelle begegnet mir in der Tür ein Marine- Offizier, der passenderweise an Brad Chase aus "Boston Legal" erinnert.
In der Stadt gibt es außer mehreren künstlerischen Wandgemälden und einem in clever arrangierten alten Bahn- Waggons residierenden McDonalds nichts zu entdecken.
Also fahren wir gleich weiter zum Campground, wiedermal in Interstate-Nähe, das stört uns aber inzwischen kaum noch. Auch hier ist der Pool unbenutzbar- was aber diesmal keine größere Entschuldigung hervorruft, aber auch hier gibt es für uns einen Schattenplatz.




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