Dienstag
Es war zapfig kalt diese Nacht, aber mit Heizung im RV gut zu überstehen. Mit den ersten Sonnenstrahlen wird es dann auch draußen schnell angenehmer.
Es war zapfig kalt diese Nacht, aber mit Heizung im RV gut zu überstehen. Mit den ersten Sonnenstrahlen wird es dann auch draußen schnell angenehmer.

Wir verlassen die sympathische Campsite mit dem besten WLAN seit ewigen Zeiten und biegen wieder sich die Route66 ein.
Bis Williams nehmen wir die Interstate. Direkt an der Abfahrt lockt der Drive Thru-Zoo "Bearizona", der einen alle Tiere Nordamerikas durch die Windschutzscheibe erleben lässt. Wir lassen ihn jedoch aus, zum einen weil wir heute einiges an Strecke vorhaben, zum anderen wissen wir nicht, ob unser Riesenwagen dort durch die Durchfahrten passt. Also fahren wir weiter und durch das kleine Städtchen hindurch, das sich teilweise im Western-Stil zeigt. Im Bahnhof steht hupend der Grand Canyon-Express bereit; von hier aus kann der Canyon per Zug mit Aussichtswagen erreicht werden.
Nächster Ort ist nach einem deutlichen Abstieg von der Hochebene Ash Fork. Attraktion hier ist der De Soto Barber Shop mit Straßenkreuzer auf dem Dach; angeblich sitzt eine Elvis-Puppe am Steuer, das ließ sich jedoch nicht verifizieren. Durch den Verlust an Höhe ist es hier spürbar wärmer als noch in Williams.

25 Meilen weiter erreichen wir Seligman, ein ebenso bekannter wie überlaufener Kult-Ort der Route66. Einige schöne Motive wiegen jedoch die stoppenden Reisebussen voller Selfie-geiler Touristen nicht auf.
Nun wird die 66 richtig klasse. Räumlich völlig losgelöst von der Interstate durchfahren wir menschenleere Prärie-Ebenen auf Geraden, die oft ein Dutzend Kilometer lang sind. Der spärliche Gegenverkehr spiegelt sich als Fata Morgana im Hitzeflimmern auf dem Asphalt. So stellt man sich die Route66 als Traumstraße vor, wenn man sich daheim ein imaginäres Bild von ihr macht.


Inzwischen hat sich der Himmel etwas zugezogen, später fallen sogar ein paar Regentropfen.
Im Crozier Canyon holen wir einen langen Güterzug ein, der bei unserem Halt in Seligman an uns vorbeigerumpelt war; nach einem kurzen Sprint kann ich ihn an schöner Stelle "verhaften".

In Hackberry hat ein Idealist einen Tradingpost zu einem kleinen 66-Freilichtmuseum mit alten Autos, alten Zapfsäulen und viel Atmosphäre verwandelt. Fast ist der liebevoll gestaltete Ort ein Pendant zur Sinclair-Tankstelle von George in Paris Springs Junction/ Missouri, die wir vor zweieinhalb Wochen bzw. vor fast 1.500 Route66-Meilen passiert hatten.


Dann erreichen wir Kingman, unser Etappenziel, größte Stadt in der Nordwest- Ecke von Arizona. Heute steht für uns hier nur Tanken und Einkaufen auf dem Programm. Im Walmart haben wir wie immer die Qual der Wahl, hier ein Blick auf die sehr übersichtlich gehaltene Frühstücksflockenabteilung und die Chips-Auswahl:

Die Kassiererin hält mit jedem Kunden ein kurzes Schwätzchen (eine ALDI-Kassiererin hätte in gleicher Zeit problemlos 20 Meter Kundenschlange abkassiert), an dem sich auch die Kundin hinter uns beteiligt. Ihr Mann sei Flight Controller auf der Spangdahlem Air Base in der Eifel gewesen, ihre Töchter wurden in Bitburg geboren. Sie war gerne in Deutschland, einschneidendstes Erlebnis war der Besuch zusammen mit ihrem Mann auf einem örtlichen Karnevals-Ball, "So crazy I will never forget".
Wir sind wieder bei KOA zu Gast, die Campsite Kingman ist klein und sympathisch, die einzelnen Parzellen sind mit blühenden Oleanderhecken abgeteilt. Mark, das "Mädchen für alles" hier, weist uns auf unseren Stellplatz ein, obwohl dieser nur schräg gegenüber dem Office liegt ("It's my job") und erzählt uns dann noch ein bisschen; seine Schwester hat in Remscheid gelebt, er selbst war noch nicht in Deutschland, aber Amsterdam hat ihm sehr gut gefallen.
Heute ist unsere letzte Nacht in Arizona, dem letzten "Fly over State", wie die Staaten zwischen den Küsten verächtlich genannt werden, obwohl sich hier so viel vom vielleicht echten Amerika erleben lässt. Morgen geht es nach Kalifornien, die letzte Grenze, unser letzter Staat.







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